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Die Stadt
hält fit
und dreht laut auf
Veranstaltung
der City-Initiative mit
Kinderfestival
S-City zieht an"
ist am Wochenende das Motto in der Innenstadt
gewesen. Der Einkaufsrundgang wurde so zum
Dauererlebnis mit buntem Programm auf den
Bühnen und im Schlossgarten, mit Fitnessangeboten
und mit viel Musik. Danach taten die Füße
und die Ohren weh.
Die Bratwurst wird
mit jedem Schritt weg vom Schlossplatz billiger.
Das ist bei Veranstaltungen wie "S-City
zieht an" nicht ganz unwichtig. Wer
sich die Programmangebote erläuft,
legt nämlich einige Kilometer zurück
- und bekommt irgendwann Hunger. Auf dem
Schlossplatz ist die Wurst im Brötchen
mit drei Euro richtig teuer. In der Marienstraße,
beim ersten Marienstraßenfest, kostet
sie einen ganzen Euro weniger und schmeckt
auch nicht anders.
Es war einiges los
in der Innenstadt am Samstag und am Sonntag:
das "anziehende Stuttgart" mit
Bühnen auf dem Schlossplatz und in
der Königstraße, das Fest in
der Marienstraße, das 1. Kinder-und-Jugend-Festival
im Schlossgarten. Wer allerdings auf die
Präsentation der breiten Modepalette
der Innenstadtboutiquen auf den Bühnen
gehofft hatte, wurde enttäuscht. Es
gab natürlich Modeschauen - aber der
Schwerpunkt des Programms lag eindeutig
auf Tanz und Fitness. Da traten Kampfsportweltmeister
genauso auf wie eine Fitnessweltmeisterin,
sah man Tanzgruppen von Karnevalsgesellschaften
und Tänzerinnen von Tanzschulen oder
Showgruppen von Fitnessstudios. Das Wochenende
hätte auch unter dem Motto "S-City
hält fit" stehen können.
Wer die Distanz von
der Bühne in Hauptbahnhofnähe
über den Schlossplatz vorbei am viel
bestaunten Maybach vor dem Breuninger-Eingang
bis zur Marienstraße im ganz normalen
Samstagsschritt bewältigte, dem taten
bald die Beine weh. Eine alternative Fortbewegungsart
wurde von einem Sporthaus in der Königstraße
angeboten. Nordic Walking, also die sportliche
Gehvariante mit Stöcken als Hilfsmittel,
sieht zwar in der Fußgängerzone
irgendwie merkwürdig aus, hat aber
etlichen Stuttgartern Spaß gemacht.
Wer noch mehr Bewegung wollte, konnte sich
Trainingseinheiten mit der Fitnessweltmeisterin
Susan Malekpur-Shirazi sichern.
Ein anderes Motto
für das Wochenende in der Stadt hätte
"S-City dreht auf" lauten können.
Keine Bühne kam ohne laute Musik mit
wummernden Bässen aus; im Grenzbereich
zwischen den Bühnen konnte der Rhythmusmix
den Bummler leicht aus dem Takt bringen.
Der Geräuschpegelhöhepunkt
lag direkt vor der Oper, mitten im Kinder-und-JugendFestival.
Dort hatten die Organisatoren eine Spielhalle
mit Spielkonsolen platziert. Und weil die
Geräusche der Konsolen offenbar nicht
ausreichten, gab's dazu aus großen
Boxen richtig was auf die Ohren. Direkt
daneben spielten Zwei- bis Dreijährige
in einem Zelt mit Bausteinen. Mitten im
Getöse - die Karnevalsgesellschaft
Möbelwagen. Die Möbler-Dame schien
Lärm gewöhnt: "Ich sehe das
ganz gelassen." Sie hatte ihren Standdienst
aber auch gerade erst begonnen. Ihr Kommentar
zum Spielkonsolen-Auftritt: "Das find
ich ein bisschen arg kommerziell."
Auf der Festivalfläche,
die in etwa der Ausbreitung des Sommerfestes
entspricht, wurde natürlich auch gespielt:
Fußball, Tennis, Schach und andere
Brettspiele, wobei an letzteren fast mehr
Erwachsene als Jugendliche festsaßen.
Auch so mancher Kreativ-workshop wie "Maritimer
Rahmen" interessierte die Mütter
mehr als die Töchter. Mehr als 50 Vereine
und Firmen warben bei dem Festival um Mitglieder
und Kunden, Feuerwehr und Polizei faszinierten
wie immer die Kleinen und die Großen.
Und das Wetter war ideal für einen
Wochenendausflug in den Schlossgarten.
Warum bei einer
Veranstaltung für Kinder und Jugendliche
aber für Spielautomaten - Motto: "Spielen
und erleben Sie modernes Entertainment"
-, für Wohnmobile und für Autos
geworben wird, bleibt ein Geheimnis der
Veranstalter. Und das mitten im vom Land
doch so gehüteten Schlossgarten ...
Von Jürgen
Brand
www.stuttgarter-zeitung.de
/ 09.2003
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