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MUSCLE & FITNESS
05.2003
Polar - www.polar-deutschland.de


M&F Porträt

SUSAN MALEKPUR-SHIRAZI
Ein Allround-Talent im Dienste der Fitness

Von Claudia Nolden


Susan Malekpur-Shirazi als außergewöhnliche und vielseitige Frau zu bezeichnen, ist eigentlich nur die Kurzfassung einer Beschreibung, die ansonsten viele Seiten umfassen würde. Dennoch wollen wir versuchen, das Wesentliche dieser Ms. Universum einzufangen und Ihnen eine aktive Sportlerin vorstellen, die nicht nur optisch, sondern auch geschäftlich ganz im Dienste des Fitness-Sports steht und diesen hervorragend repräsentiert und verkörpert.

Wem der Nachname von Susan Rätsel aufgibt, dem sei an dieser Stelle direkt geholfen. Wie auch die geheimnisvollen Augen und die schwarze Mähne vermuten lassen, verbirgt sich hinter ihrem "Doppelnamen" eine persiche Herkunft, denn ihr Vater stammt aus dem Iran und hat ihr den Namen Malekpur (bedeutet "Königin" und Shirazi (kommt von "Shiraz", eine Universitätsstadt 980 km südlich von Teheran) weitergegeben. Geboren ist die junge Frau in Mannheim, aufgewachsen in Heidelberg und obwohl sie die Sprache ihres Vaters, persisch, versteht, ist sie noch nicht so weit, sie auch fließend zu sprechen. "Persisch ist eine schwere Sprache. Ich kenne Perser, sie sind sehr diszipliniert, ehrgeizig und sportlich, auch im Wettkampfbereich ambitioniert und sehr erfolgreich", sagt Susan.

Früh übt sich...
Im sportlichen Bereich hat sie selbst ganz klassisch angefangen und sich im Alter von bereits 3 Jahren dem Kinderturnen gewidmet und später zum Kunstturnen gewechselt. Zwei Sachen waren aber immer ein Bestandteil ihres sportlichen Daseins: Wettkampfeifer und Vielseitigkeit. "Ich habe mit 5 Jahren schon die ersten Wettkämpfe gemacht und parallel noch andere Sportarten betrieben, wie z.B. Leichtathletik, Schwimmen, Tischtennis. In jungen Jahren ist man sportlich vielseitiger interessiert. Mit ca. 10 Jahren habe ich dann angefangen, Handball zu spielen" sagt Susan. Dieser harte Sport hielt sie dann auch 8 Jahre lang gefangen und sie glich die mangelnde Körpergröße - Susan ist 1,65 groß - durch Schnelligkeit aus. Recht früh kristallisierte sich dort auch ihr Talent, andere Menschen zu leiten, heraus, sie war Spielführerin im Handball und dort die "rebellische" Anführerin beim Wunsch nach Krafttraining. "Die Männer gingen immer in den Kraftraum und für die hohen Anforderungen im Handball hatte ich mit 14 auch den Wunsch, an meiner Kraft zu arbeiten, was uns aber verweigert wurde. Früher hat man geglaubt, dass sei nicht gut für den Körper im Wachstum. Dem mussten wir uns damals leider beugen, wenn auch ungern", erinnert sich Susan, die wohl damals schon spürte, wie wichtig es ist, die unterstützende und stabilisierende Muskulatur zu trainieren.

Im Alter von 16 Jahren hat sie sich dann selbst im Fitness-Studio angemeldet und gleich mehrere Sportarten parallel betrieben, bis sie bereits mit 18 Trainerin im Studio wurde.

"Das war eigentlich Zufall, ich war immer in Gruppenkursen dabei und bin dann irgendwann mal als Ersatz eingesprungen. Ich war nie so ein Fan von Aerobic-Kursen, denn es macht zwar viel Spaß, aber die Effektivität steht meiner Meinung nach im Hintergrund. Ich wollte damals schon mehr Wirksamkeit im Training und habe langsam angefangen, meinen eigenen Unterricht aufzubauen und durchzuführen, heute ist Body-Force® ganzheitlich ausgereift und bis aufs i-Tüpfelchen durchdacht", erklärt sie.

Auf zu neuen Ufern
Aus privaten Gründen und wegen ihrer Studienpläne ist Susan dann von Heidleberg nach Bayern gezogen, hat in einem Sportshop in München als Geschäftsführerin gearbeitet und als Trainerin in vielen Münchner und Oberland-Studios ihr eigenes Programm weitergeführt. Ihr Engagement für effektives Training brachte sie schließlich dazu, Tests in ihre Arbeit einzubringen, um die Effektivität ihres Unterrichts an Teilnehmern unterschiedlicher Altersklassen, Gewichtsstufen und Fähigkeiten zu überprüfen (Leistungstests, d.h. welcher Zyklus bringt was, in welcher Zeit). "Ich habe u.a. auch die Blutgruppendiät erprobt, obwohl ich zunächst nicht überzeugt davon war. Auch wenn ich mich nicht strikt nach den Ernährungsvorschriften für die Blutgruppen richte, kann ich mittlerweile doch einschätzen, welcher Typ Mensch im Personal Training auf mich zukommt und wie belastbar er ist, wie gut er sich von Haus ernährt", erklärt Susan.


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Wettkampfambitionen
Während der FIBO in Essen konnte sie - damals 21 Jahre alt - erste Kontakte in Richtung Wettkampf knüpfen, denn sie wurde dort von Lutz Wilke, damaliger Mr. Universum, angesprochen, ob Interesse an Wettkämpfen bestünde. Sogar Marla Duncan, eine sehr bekannte Fitness-Athletin aus den USA, bestätigteihr Talent und ihre Voraussetzungen, aber Susan selbst war der Meinung, zu zierlich zu sein, zu wenig Muskeln zu haben. Zurück in den eigenen vier Wänden ließ sie der Gedanke nicht mehr los, schließlich hatte sie in der ganzen Zeit in München keine Wettkämpfe gemacht. "Das Training war für mich kein Problem, aber ich muss sagen, dass ich bei meinem ersten Wettkampf vor allem mitgemacht habe, um zu testen, ob ich dizipliniert genug bin, die Diät durchzuhalten. Ich wusste damals, dass ich zu wenig esse und meine Ernährung nicht perfekt ist (ich wog damals 47 kg). Das ist schließlich die Kunst beim Wettkampf, dass du den richtigen Weg herausfinden musst, dich zu formen und das hat mich wirklich gereizt" erinnert sich Susan.

Ihr Bühnendebüt war das Jahr 1994 und sie hat auf Anhieb bei allen regionalen Meisterschaften die Klassen- und Gesamtsiege für sich verbuchen können. Zwei Jahre später, 1996, ist sie dann schon international gestartet und musste zunächst Lehrgeld zahlen. "Ich war natürlich verwöhnt von meinen Siegen und sehr enttäuscht, nicht gleich erste Plätze zu belegen. Dennoch war ich direkt vorn mit dabei, stets unter den besten 10 der Welt. Bei meiner ersten WM wurde ich Achte und war damals total enttäuscht - heute weiß ich, wie toll die Leistung war", sagt Susan lachend. Sie hat dann noch bei einigen Miss World-Wettkämpfen mitgemacht und konnte als bestes Ergebnis einen dritten Platz mit nach Hause nehmen, bevor Sie 1998 eine Wettkampfpause begann, die bis 2001 anhielt. In dem Jahr startete sie gleich wieder richtig durch und wurde Vize-Weltmeisterin. "Während der Wettkampfpause konnte ich die Leute finden, die auch heute in meinem Team arbeiten. Wir sind mehr in Detail gegangen, haben internsiver gearbeitet und unsere Erfahrungen verbunden, um Perfektion anzustreben", erkärt Susan, die im gleichen Jahr auch noch Vizeweltmeisterin werden und sogar den Titel Miss Universum gewinnen konnte.

Im letzten Jahr schaffte sie es unter enormen Druck, sich als amtierende MIss Universum den Weltmeistertitel zu holen. Sie hatte nur sechs Wochen Zeit für die Vorbereitung, stand unter großem Leistungsdruck und wurde mit jährlich wachsendem Leistungsstandard konfrontiert. Das scheint eine Ausnahmeathletin wie Susan, die zur Sportlerin des Jahres gewählt wurde, nur noch zu höheren Leistung zu motivieren.

In diesem Jahr wird sie ihren Universum-Titel im Juni verteidigen und hat dafür gerade mit der Vorbereitung angefangen. "Es ist immer auch eine Frage des Sponsorings, da wir den Wettkampfsport auf einem sehr hohen Niveau betreiben würde ich gern auch den WM-Titel verteidigen, aber eine Teilnahme kann ich jetzt noch nicht bestätigen. Ich bin derzeit die Nr. 5 in der Weltangliste und ich würde schon gern meine Titel verteidigen. Allerdings spornt es mich noch mehr an, zu sehen, wie viel Prozent Verbesserung noch aus meinem Körper rauszuholen ist."

Body-Force® und Imagepflege
Auch abseits der Wettkampfbühne ist Susan mit Haut und Haaren der Fitness verfallen, denn sie arbeitet nich nur an und mit Body-Force®, ihrem eigenen Konzept, sondern ist auch eine entschlossene Kämpferin im Dienst unseres schönen Fitness-Sports. "Wir müssen halt immer noch Pionierarbeit leisten. Der Wettkampfsport z.B. hat solch ein schlechtes Image, dass die Leute immer gleich eine Mega-Bodybuilderin im Kopf haben. Wenn sie meine Bilder dann sehen, sind sie ganz begeistert. Der Fitness-Sprot muss in die Medien und die Werbung gehen, nur so können wir das Image verbessern und an die Öffentlichkeit treten, damit den Wettkämpfern auch die Möglichkeit offen stehen, wie in anderen Sportarten Geld damit verdienen und Anerkennung bekommen zu können. Außerem müssen die Sportler mehr zusammen arbeiten, häufig gönnen sie sich gegenseitigen Erfolg nicht und das schadet der Förderung unseres Sports nur", setzt sie sich verhement für ihre Sache ein.

Wenn sie nicht gerade auf einer Bühne steht oder ihren Unterricht im Studio absolviert, dient Susan ebenfalls als Personal Trainer, jedoch auch hier wieder mit besonderm Engagement. "Mein Personal Training basiert auf meinem Konzept Body-Force® und unterscheidet sich daher von den klassischen Formen, ich gehe extrem auf die Leute ein, achte genau auf ihre Ernährung, durch ständige Erfolgskontrolle schaffen wir, das die Leute mit ihrem eigenen Lebenstil maximal viel erreichen, wir sorgen dafür, dass die bewusste Ernährung und das Training zur Routine werden. Viele berücksichtigen nicht, dass die Ernährung an erster Stelle steht. Wenn du das tollste Auto hast, aber nicht den richtigen Brennstoff tankst, wird das Ding nicht fahren, seine Leistung nicht erbringen", sagt sie lachend.

Das Konzept Body-Force® gibt es eigentlich schon, seit Susan 18 ist und es ist im Laufe der Zeit mit ihr und ihren Erfahrungen gewachsen, bis 2001 die offizielle Firmengründung folgte. Body-Force® ist ein ganzheitliches Konzept, dessen Team aus 13 Leuten besteht, alles Freiberufler. "Mir ist wichtig, dass die Leute zusammenpassen, gut harmonieren und auf der gleichen Ebene arbeiten. Die Schaffensgebiete sind vielseitig, vom Allgemeinmediziner, Sportarzt über den Heilpraktiker und Trainer bis hin zum Tänzer. Jeder ist auf einem oder zwei speziellen Gebieten ein Experte und alle sind von Herzen richtige Sportler", erklärt sie. Body-Force® beschäftigt sich mit Bereichen wie Ernährung, Training, Atmung, Haltung, Beweglichkeit und Visualisierung. Das Konzept wird es in Zukunft haupsächlich in Form von Schulungen geben und Ende des Jahres werden dazu zwei Bücher erscheinen.

"Wir werden mit Body-Force® auch auf Tour gehen, um zu zeigen, dass wirklich jeder mitmachen kann, von 14 bis 65, von wirklich fitten Menschen bis zu Leuten, die z.B . Probleme mit dem Rücken haben. Wir können auf die Leute eingehen und jeder fordert sich nur so weit wie er kann und sich gut dabei fühlt. Es geht viel um Motivation, Vitalität und Visualisierung, damit die Teilnehmer wissen, warum sie die Bewegung machen und wie sich der Muskel und Fitness anfühlen. Nur so kann sich die Disziplin und das Gefühl für den eigenen Körper verbessern."

Disziplin in Vollendung
Als Weltmeisterin und aktive Fitness-Sportlerin sieht Susans eigenes Trainingsprogramm natürlich etwas anders aus als das der Menschen, denen sie helfen will. "Ich hoffe, dass mein Trainingspensum niemanden abschreckt, aber man muss bedenken, dass ich Wettkämpferin auf international hohem Niveau bin", sagt sie zur Erklärung. Außerhalb der Saision macht Susan jeden zweiten Tag Krafttraining, nur eine Einheit am Tag, und führt die restlichen Tage Ausdauertraining aus. In der Vorbereitung jedoch - die ein gutes halbes Jahr bis zu einem Jahr dauern kann - macht sie zwei Ausdauereinheiten und eine Krafteinheit am Tag, mit nur einem Pausentag pro Woche, der zusätzlich noch aus Massage für die Tiefenmuskulatur besteht. Hinzu kommt natürlich das Proben ihrer Bühnenkür, was ihr trotz Turnererfahrung nicht erspart bleibt. Dazu hat sie sich die Hilfe des profesionellen Tänzers, Attila-Mario Diallo, geholt und übt zweimal pro Woche ihre Bewegungen.

Bei einem genaueren Blick auf ihr Training wird schnell klar, dass Fitness auch ein Fulltimejob sein kann, denn in der Wettkampfsaision absolviert sie fast täglich drei Disziplinen mit Ruhephasen dazwischen: 15 km Laufen, dann eine Stunde Gewichtstraining, dann 25 km Radfahren. Ihr Gewichtstraining betont die Veränderung, damit ihre Muskulatur stets neue und unbekannte Reize erfährt. "Zurzeit mache ich z.B. das Training der Tiefenmuskulatur, wozu auch die Massage gehört. Da gibt es Wiederholungen bis zu 50 und ich mache wirklich drei Kreuze, wenn es vorbei ist. Wer das mal gemacht hat, weiß wie hart es ist", gibt Susan zu.

Auch bei der Ernährung ist Susan sehr diszipliniert und sorgt für den einzig richtigen Weg: Ausgewogenheit. Für die Vorbereitung wird z.B. sehr genau ausgerechnet, was der Körper wann braucht, wobei besonderes Augenmerk auf gesunde Fette und hochwertiges Protein gelegt wird. "Sehr wichtig ist auch mein Mineralhaushalt. Ich mag die Produkte von PowerBar, trinke sehr viel, 4-6 Liter am Tag, darunter auch isotonische Getränke. Mein Geheimtipp: Nach dem Training ein Erdinger alkoholfrei, das schmeckt erfrischend, versorgt mich mit Kohlenhydraten und hat eine super Wertigkeit", sagt sie. M&F



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