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M&F
Porträt
SUSAN MALEKPUR-SHIRAZI
Ein Allround-Talent
im Dienste der Fitness
Von Claudia Nolden
Susan Malekpur-Shirazi als außergewöhnliche
und vielseitige Frau zu bezeichnen, ist
eigentlich nur die Kurzfassung einer Beschreibung,
die ansonsten viele Seiten umfassen würde.
Dennoch wollen wir versuchen, das Wesentliche
dieser Ms. Universum einzufangen und Ihnen
eine aktive Sportlerin vorstellen, die nicht
nur optisch, sondern auch geschäftlich
ganz im Dienste des Fitness-Sports steht
und diesen hervorragend repräsentiert
und verkörpert.
Wem der Nachname von Susan Rätsel aufgibt,
dem sei an dieser Stelle direkt geholfen.
Wie auch die geheimnisvollen Augen und die
schwarze Mähne vermuten lassen, verbirgt
sich hinter ihrem "Doppelnamen"
eine persiche Herkunft, denn ihr Vater stammt
aus dem Iran und hat ihr den Namen Malekpur
(bedeutet "Königin" und Shirazi
(kommt von "Shiraz", eine Universitätsstadt
980 km südlich von Teheran) weitergegeben.
Geboren ist die junge Frau in Mannheim,
aufgewachsen in Heidelberg und obwohl sie
die Sprache ihres Vaters, persisch, versteht,
ist sie noch nicht so weit, sie auch fließend
zu sprechen. "Persisch ist eine schwere
Sprache. Ich kenne Perser, sie sind sehr
diszipliniert, ehrgeizig und sportlich,
auch im Wettkampfbereich ambitioniert und
sehr erfolgreich", sagt Susan.
Früh übt
sich...
Im
sportlichen Bereich hat sie selbst ganz
klassisch angefangen und sich im Alter von
bereits 3 Jahren dem Kinderturnen gewidmet
und später zum Kunstturnen gewechselt.
Zwei Sachen waren aber immer ein Bestandteil
ihres sportlichen Daseins: Wettkampfeifer
und Vielseitigkeit. "Ich habe mit 5
Jahren schon die ersten Wettkämpfe
gemacht und parallel noch andere Sportarten
betrieben, wie z.B. Leichtathletik, Schwimmen,
Tischtennis. In jungen Jahren ist man sportlich
vielseitiger interessiert. Mit ca. 10 Jahren
habe ich dann angefangen, Handball zu spielen"
sagt Susan. Dieser harte Sport hielt sie
dann auch 8 Jahre lang gefangen und sie
glich die mangelnde Körpergröße
- Susan ist 1,65 groß - durch Schnelligkeit
aus. Recht früh kristallisierte sich
dort auch ihr Talent, andere Menschen zu
leiten, heraus, sie war Spielführerin
im Handball und dort die "rebellische"
Anführerin beim Wunsch nach Krafttraining.
"Die Männer gingen immer in den
Kraftraum und für die hohen Anforderungen
im Handball hatte ich mit 14 auch den Wunsch,
an meiner Kraft zu arbeiten, was uns aber
verweigert wurde. Früher hat man geglaubt,
dass sei nicht gut für den Körper
im Wachstum. Dem mussten wir uns damals
leider beugen, wenn auch ungern", erinnert
sich Susan, die wohl damals schon spürte,
wie wichtig es ist, die unterstützende
und stabilisierende Muskulatur zu trainieren.
Im Alter von 16 Jahren hat sie sich dann
selbst im Fitness-Studio angemeldet und
gleich mehrere Sportarten parallel betrieben,
bis sie bereits mit 18 Trainerin im Studio
wurde.
"Das war eigentlich Zufall, ich war
immer in Gruppenkursen dabei und bin dann
irgendwann mal als Ersatz eingesprungen.
Ich war nie so ein Fan von Aerobic-Kursen,
denn es macht zwar viel Spaß, aber
die Effektivität steht meiner Meinung
nach im Hintergrund. Ich wollte damals schon
mehr Wirksamkeit im Training und habe langsam
angefangen, meinen eigenen Unterricht aufzubauen
und durchzuführen, heute ist Body-Force®
ganzheitlich ausgereift und bis aufs i-Tüpfelchen
durchdacht", erklärt sie.
Auf zu neuen Ufern
Aus privaten Gründen und wegen ihrer
Studienpläne ist Susan dann von Heidleberg
nach Bayern gezogen, hat in einem Sportshop
in München als Geschäftsführerin
gearbeitet und als Trainerin in vielen Münchner
und Oberland-Studios ihr eigenes Programm
weitergeführt. Ihr Engagement für
effektives Training brachte sie schließlich
dazu, Tests in ihre Arbeit einzubringen,
um die Effektivität ihres Unterrichts
an Teilnehmern unterschiedlicher Altersklassen,
Gewichtsstufen und Fähigkeiten zu überprüfen
(Leistungstests, d.h. welcher Zyklus bringt
was, in welcher Zeit). "Ich habe u.a.
auch die Blutgruppendiät erprobt, obwohl
ich zunächst nicht überzeugt davon
war. Auch wenn ich mich nicht strikt nach
den Ernährungsvorschriften für
die Blutgruppen richte, kann ich mittlerweile
doch einschätzen, welcher Typ Mensch
im Personal Training auf mich zukommt und
wie belastbar er ist, wie gut er sich von
Haus ernährt", erklärt Susan.
Wettkampfambitionen
Während
der FIBO in Essen konnte sie - damals 21
Jahre alt - erste Kontakte in Richtung Wettkampf
knüpfen, denn sie wurde dort von Lutz
Wilke, damaliger Mr. Universum, angesprochen,
ob Interesse an Wettkämpfen bestünde.
Sogar Marla Duncan, eine sehr bekannte Fitness-Athletin
aus den USA, bestätigteihr Talent und
ihre Voraussetzungen, aber Susan selbst
war der Meinung, zu zierlich zu sein, zu
wenig Muskeln zu haben. Zurück in den
eigenen vier Wänden ließ sie
der Gedanke nicht mehr los, schließlich
hatte sie in der ganzen Zeit in München
keine Wettkämpfe gemacht. "Das
Training war für mich kein Problem,
aber ich muss sagen, dass ich bei meinem
ersten Wettkampf vor allem mitgemacht habe,
um zu testen, ob ich dizipliniert genug
bin, die Diät durchzuhalten. Ich wusste
damals, dass ich zu wenig esse und meine
Ernährung nicht perfekt ist (ich wog
damals 47 kg). Das ist schließlich
die Kunst beim Wettkampf, dass du den richtigen
Weg herausfinden musst, dich zu formen und
das hat mich wirklich gereizt" erinnert
sich Susan.
Ihr Bühnendebüt war das Jahr 1994
und sie hat auf Anhieb bei allen regionalen
Meisterschaften die Klassen- und Gesamtsiege
für sich verbuchen können. Zwei
Jahre später, 1996, ist sie dann schon
international gestartet und musste zunächst
Lehrgeld zahlen. "Ich war natürlich
verwöhnt von meinen Siegen und sehr
enttäuscht, nicht gleich erste Plätze
zu belegen. Dennoch war ich direkt vorn
mit dabei, stets unter den besten 10 der
Welt. Bei meiner ersten WM wurde ich Achte
und war damals total enttäuscht - heute
weiß ich, wie toll die Leistung war",
sagt Susan lachend. Sie hat dann noch bei
einigen Miss World-Wettkämpfen mitgemacht
und konnte als bestes Ergebnis einen dritten
Platz mit nach Hause nehmen, bevor Sie 1998
eine Wettkampfpause begann, die bis 2001
anhielt. In dem Jahr startete sie gleich
wieder richtig durch und wurde Vize-Weltmeisterin.
"Während der Wettkampfpause konnte
ich die Leute finden, die auch heute in
meinem Team arbeiten. Wir sind mehr in Detail
gegangen, haben internsiver gearbeitet und
unsere Erfahrungen verbunden, um Perfektion
anzustreben", erkärt Susan, die
im gleichen Jahr auch noch Vizeweltmeisterin
werden und sogar den Titel Miss Universum
gewinnen konnte.
Im letzten Jahr schaffte sie es unter enormen
Druck, sich als amtierende MIss Universum
den Weltmeistertitel zu holen. Sie hatte
nur sechs Wochen Zeit für die Vorbereitung,
stand unter großem Leistungsdruck
und wurde mit jährlich wachsendem Leistungsstandard
konfrontiert. Das scheint eine Ausnahmeathletin
wie Susan, die zur Sportlerin des Jahres
gewählt wurde, nur noch zu höheren
Leistung zu motivieren.
In diesem Jahr wird sie ihren Universum-Titel
im Juni verteidigen und hat dafür gerade
mit der Vorbereitung angefangen. "Es
ist immer auch eine Frage des Sponsorings,
da wir den Wettkampfsport auf einem sehr
hohen Niveau betreiben würde ich gern
auch den WM-Titel verteidigen, aber eine
Teilnahme kann ich jetzt noch nicht bestätigen.
Ich bin derzeit die Nr. 5 in der Weltangliste
und ich würde schon gern meine Titel
verteidigen. Allerdings spornt es mich noch
mehr an, zu sehen, wie viel Prozent Verbesserung
noch aus meinem Körper rauszuholen
ist."
Body-Force®
und Imagepflege
Auch abseits der Wettkampfbühne ist
Susan mit Haut und Haaren der Fitness verfallen,
denn sie arbeitet nich nur an und mit Body-Force®,
ihrem eigenen Konzept, sondern ist auch
eine entschlossene Kämpferin im Dienst
unseres schönen Fitness-Sports. "Wir
müssen halt immer noch Pionierarbeit
leisten. Der Wettkampfsport z.B. hat solch
ein schlechtes Image, dass die Leute immer
gleich eine Mega-Bodybuilderin im Kopf haben.
Wenn sie meine Bilder dann sehen, sind sie
ganz begeistert. Der Fitness-Sprot muss
in die Medien und die Werbung gehen, nur
so können wir das Image verbessern
und an die Öffentlichkeit treten, damit
den Wettkämpfern auch die Möglichkeit
offen stehen, wie in anderen Sportarten
Geld damit verdienen und Anerkennung bekommen
zu können. Außerem müssen
die Sportler mehr zusammen arbeiten, häufig
gönnen sie sich gegenseitigen Erfolg
nicht und das schadet der Förderung
unseres Sports nur", setzt sie sich
verhement für ihre Sache ein.
Wenn sie nicht gerade auf einer Bühne
steht oder ihren Unterricht im Studio absolviert,
dient Susan ebenfalls als Personal Trainer,
jedoch auch hier wieder mit besonderm Engagement.
"Mein Personal Training basiert auf
meinem Konzept Body-Force® und unterscheidet
sich daher von den klassischen Formen, ich
gehe extrem auf die Leute ein, achte genau
auf ihre Ernährung, durch ständige
Erfolgskontrolle schaffen wir, das die Leute
mit ihrem eigenen Lebenstil maximal viel
erreichen, wir sorgen dafür, dass die
bewusste Ernährung und das Training
zur Routine werden. Viele berücksichtigen
nicht, dass die Ernährung an erster
Stelle steht. Wenn du das tollste Auto hast,
aber nicht den richtigen Brennstoff tankst,
wird das Ding nicht fahren, seine Leistung
nicht erbringen", sagt sie lachend.
Das Konzept Body-Force® gibt es eigentlich
schon, seit Susan 18 ist und es ist im Laufe
der Zeit mit ihr und ihren Erfahrungen gewachsen,
bis 2001 die offizielle Firmengründung
folgte. Body-Force® ist ein ganzheitliches
Konzept, dessen Team aus 13 Leuten besteht,
alles Freiberufler. "Mir ist wichtig,
dass die Leute zusammenpassen, gut harmonieren
und auf der gleichen Ebene arbeiten. Die
Schaffensgebiete sind vielseitig, vom Allgemeinmediziner,
Sportarzt über den Heilpraktiker und
Trainer bis hin zum Tänzer. Jeder ist
auf einem oder zwei speziellen Gebieten
ein Experte und alle sind von Herzen richtige
Sportler", erklärt sie. Body-Force®
beschäftigt sich mit Bereichen wie
Ernährung, Training, Atmung, Haltung,
Beweglichkeit und Visualisierung. Das Konzept
wird es in Zukunft haupsächlich in
Form von Schulungen geben und Ende des Jahres
werden dazu zwei Bücher erscheinen.
"Wir werden mit Body-Force® auch
auf Tour gehen, um zu zeigen, dass wirklich
jeder mitmachen kann, von 14 bis 65, von
wirklich fitten Menschen bis zu Leuten,
die z.B . Probleme mit dem Rücken haben.
Wir können auf die Leute eingehen und
jeder fordert sich nur so weit wie er kann
und sich gut dabei fühlt. Es geht viel
um Motivation, Vitalität und Visualisierung,
damit die Teilnehmer wissen, warum sie die
Bewegung machen und wie sich der Muskel
und Fitness anfühlen. Nur so kann sich
die Disziplin und das Gefühl für
den eigenen Körper verbessern."
Disziplin in Vollendung
Als Weltmeisterin und aktive Fitness-Sportlerin
sieht Susans eigenes Trainingsprogramm natürlich
etwas anders aus als das der Menschen, denen
sie helfen will. "Ich hoffe, dass mein
Trainingspensum niemanden abschreckt, aber
man muss bedenken, dass ich Wettkämpferin
auf international hohem Niveau bin",
sagt sie zur Erklärung. Außerhalb
der Saision macht Susan jeden zweiten Tag
Krafttraining, nur eine Einheit am Tag,
und führt die restlichen Tage Ausdauertraining
aus. In der Vorbereitung jedoch - die ein
gutes halbes Jahr bis zu einem Jahr dauern
kann - macht sie zwei Ausdauereinheiten
und eine Krafteinheit am Tag, mit nur einem
Pausentag pro Woche, der zusätzlich
noch aus Massage für die Tiefenmuskulatur
besteht. Hinzu kommt natürlich das
Proben ihrer Bühnenkür, was ihr
trotz Turnererfahrung nicht erspart bleibt.
Dazu hat sie sich die Hilfe des profesionellen
Tänzers, Attila-Mario Diallo, geholt
und übt zweimal pro Woche ihre Bewegungen.
Bei einem genaueren Blick auf ihr Training
wird schnell klar, dass Fitness auch ein
Fulltimejob sein kann, denn in der Wettkampfsaision
absolviert sie fast täglich drei Disziplinen
mit Ruhephasen dazwischen: 15 km Laufen,
dann eine Stunde Gewichtstraining, dann
25 km Radfahren. Ihr Gewichtstraining betont
die Veränderung, damit ihre Muskulatur
stets neue und unbekannte Reize erfährt.
"Zurzeit mache ich z.B. das Training
der Tiefenmuskulatur, wozu auch die Massage
gehört. Da gibt es Wiederholungen bis
zu 50 und ich mache wirklich drei Kreuze,
wenn es vorbei ist. Wer das mal gemacht
hat, weiß wie hart es ist", gibt
Susan zu.
Auch bei der Ernährung ist Susan sehr
diszipliniert und sorgt für den einzig
richtigen Weg: Ausgewogenheit. Für
die Vorbereitung wird z.B. sehr genau ausgerechnet,
was der Körper wann braucht, wobei
besonderes Augenmerk auf gesunde Fette und
hochwertiges Protein gelegt wird. "Sehr
wichtig ist auch mein Mineralhaushalt. Ich
mag die Produkte von PowerBar, trinke sehr
viel, 4-6 Liter am Tag, darunter auch isotonische
Getränke. Mein Geheimtipp: Nach dem
Training ein Erdinger alkoholfrei, das schmeckt
erfrischend, versorgt mich mit Kohlenhydraten
und hat eine super Wertigkeit", sagt
sie. M&F
MUSCLE &
FITNESS / 05.2003
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